ChenTaiJiQuan

Die Entstehung des Chen Taijiquan wird im Allgemeinen General Chen Wangting (1597–1664) im 17. Jahrhundert zugeschrieben. Mit dem Fall der Ming-Dynastie zog dieser sich aus dem Kriegsdienst zurück und lebte ein bescheidenes Leben in dem kleinen Dorf Chenjiagou. Hier widmete er sich ganz dem Studium der Kampfkunst und der daoistischen Tradition. Er kombinierte die Langfausttechniken des General Qi Jiguang (s. Changquan) mit den Erkenntnissen der daoistischen Gesundheitserhaltung und inneren Alchemie. Hieraus entwickelte Chen Wangting mehrere Boxformen; darunter eine Langform mit 108 Figuren und die Form Paochui (Kanonenfaust), sowie die Übungen des Tuishou (Schiebenden Hände) und der Klebenden Speere.

 

Später fasste Chen Changxing (1771–1853) die von Chen Wangting überlieferten Formen in den zwei Teilen des Alten Rahmens Laojia zusammen. Die 14. Generation um Chen Changxing ist auch insoweit bedeutsam, dass in dieser Zeit erstmalig das Taijiquan außerhalb der Chen-Familie Verbreitung fand. Der wohl berühmteste Schüler Chen Changxings war Yang Luchan, der aus dem Chen Stil das sehr bekannte Yang Taiji entwickelte.

 

Großmeister Chen Fake (1887–1957) schuf zu seiner Zeit neben dem Alten Rahmen Laojia einen Neuen Rahmen, der als Xinjia bezeichnet wurde. Die beiden traditionellen Formen des Alten Rahmens bestehen im Prinzip aus gleichmäßig langsamen Bewegungen, die durch explosionsartige Fajin-Bewegungen unterbrochen werden. Unter Chen Fake wurden diese Bewegungen einerseits noch spiraliger, andererseits wurden Tempowechsel der verschiedensten Intensität eingebaut. Auch bekamen die Formen mehr Sprünge, und die Bewegungsabläufe wurden insgesamt komplizierter.

 

Heute bietet Taijiquan als Kampfkunst, Gesundheitsvorsorge und Philosophie dem Lernenden eine Chance sich selbst und die Welt auf einer ganz neuen und sensiblen Art zu erfassen. Seine Übungen verbinden die Bewegungen der Selbstverteidigung mit der Führung der inneren Lebensenergie, dem Qi. Aus dieser Symbiose gewinnt es seinen enormen gesundheitlichen als auch kämpferischen Nutzen. Die fließenden sanften Bewegungen im Wechselspiel mit den kraftvollen dynamischen Elementen machen das Chen Taijiquan zu einem sehr ästhetischen und unverwechselbaren Kung Fu Stil. Da an die Stelle von harter Muskelkraft das weiche Prinzip der inneren Energie gesetzt wird, ist es praktisch für alle Altersgruppen erlernbar. Aus diesem Grund zählt das Taijiquan wohl zu den am weitesten verbreiteten Kung Fu Stilen der Welt.

 

chang-quan

Die Wurzeln der Langfaust liegen im Norden Chinas und reichen zurück bis in das 10. Jahrhundert. Somit ist das klassische Langfaust-Boxen wohl einer der ältesten Kung Fu Stile Chinas, der maßgeblich die Entwicklung vieler nordchinesischer Systeme geprägt hat. Daher wird er häufig als Basisausbildung verwand, um auf andere Stile aufzubauen. Seine großen ausladenden, schnellen und weiten Bewegungen eignen sich hervorragend zur Stärkung von Knochen, Sehnen und Muskeln. Auf Grund seiner eleganten und ausdrucksstarken Positionen ist er bis heute stark mit der chinesischen Oper verwurzelt, und wird dort neben Gesang, Schauspielerei und Akrobatik zu den großen Künsten gezählt.

 

Der Begriff Changquan tauchte wohl erstmalig in der Song Dynastie (960-1279) auf. Damals entwickelte Zhao Kuangyin, erster Kaiser der Song-Dynastie, die 32 Langfaustübungen. Sie wurden Taizu Chang- quan genannt; übersetzt bedeutet dies soviel wie „die Langfaust des Kaisers Taizu“.

 

In der zweiten Hälfte der Ming–Dynastie (1368 – 1644) wurde zum ersten Mal eine Unterteilung der Faustkampfstile vorgenommen. General Qi Jiguang und Meister Cheng Chongdou verdeutlichten die Unterschiede zwischen den einzelnen Langfauststilen und dem Boxen auf kurze Distanz. Die Hauptunterteilung galt damals zwischen dem Mianzhangquan, als die Art des Boxens auf kurze Distanz und den Langfaustübungen des Kaisers Tai Zu, als die Art des Boxens auf lange Distanz.

 

Über die Jahrhunderte wurde diese Basis ständig durch Techniken und Formen anderer Familien ergänzt und weiterentwickelt. Zu den bedeutendsten Vertretern zählen: Chaquan (Cha – Familienstil), Taizu Changquan (Langfauststil des Kaiser Tai Zu), Paochui (Donnerstil), Shaolinquan (Shaolinboxen) und das Fanziquan (Boxen der schnell rotierenden Faust).

 

Die ständige Entwicklung dieses Stils macht es sehr schwer heute noch eine genaue Differenzierung der einzelnen Ursprünge vorzunehmen. Mittlerweile existieren unzählige Formen und Routinen, die alle dem Begriff Changquan zugeordnet werden.

 

San-Shou

San Shou (chin. Freie Hand) ist eine Neuerscheinung des chinesischen Wettkampfsports und nicht mit einem eigenständigen klassischen Kung Fu Stil zu verwechseln. Vielmehr ist es eine Form des Zweikampfs, die sich der Techniken des Ti (Treten), Da (Schlagen), Na (Halten, Hebeln) und Shuai (Werfen) bedient. Es unterliegt einem festen Regelwerk und erinnert in vielerlei Hinsicht an eine erweiterte Form des Kickboxens und Ringens.

 

Im Fokus dieses Kampfsystems stehen das Sparring, das Trainieren der verschiedenen Distanzen sowie der Arm- und Beintechniken an Pratzen und Partner. Desweiteren eignet es sich hervorragend zur Verbesserung der eigenen Kondition und Fitness.
Die korrekte Ausführung der Techniken und ihr sinnvolle Kombination verlangen dem Übenden ein hohes Maß an Kreativität, Präzision und Ausdauer ab.

 

Seinen Ursprung findet das San Shou in den Lei Tai Kämpfen, die im alten China ausgetragen wurden. Lei Tai bedeutet übersetzt Kampftribüne, wie sie damals in jeder größeren Stadt zu finden war. Sie hatten keinerlei Befestigung an den Seiten und konnten bis zu 10 m x 10 m groß und 2,5 m hoch sein. Diese Kämpfe waren zu meist regellos und konnten bis zum Tode ausgefochten werden. Sie dienten der Unterhaltung des Volkes und der Klärung von Differenzen verfeindeter Parteien. Im Gegensatz zu den im Westen bekannten Gladiatoren wählten die Kämpfer ihr Schicksal selbst und stellten sich dem Kampf freiwillig.

 

In der YU SHUI DAO KUNG FU SCHOOL ist das San Shou nur ein sportliches Zusatzangebot, welches den geringsten Teil des eigentlichen Kampfkunst Trainings ausmacht. Das Erlernen der Formen und Inhalte des Chen Taijiquan sind für jeden Schüler verpflichtend.